Chronik der Verbrechen 2002
Tel Aviv (dpa) - Bei dem seit 16 Monaten andauernden Konflikt zwischen Israel
und den Palästinensern sind bisher fast 1 200 Menschen ums Leben gekommen.
Über 18 000 weitere Personen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die
überwiegende Mehrzahl der Opfer sind Palästinenser. Nach Angaben des
palästinensischen Roten Halbmonds wurden bei den Auseinandersetzungen bisher
rund 900 Palästinenser getötet und 17 200 verletzt. Die israelische Armee gab
die Zahl der getöteten Israelis mit knapp 260 an Veröffentlicht von RZ-Online
am 24.01.2002 15:36
Israel leitete tags zuvor seine größte Militäroperation (20 000 Soldaten,
über 100 Panzer) seit 20 Jahren ein. Vorläufige Bilanz des gestrigen Tages:
mindestens 35 Tote. Die meisten Toten gab es gestern im palästinensischen
Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen, wo Soldaten in der Nacht 18
Bewohner erschossen. Mit 200 000 Bewohnern ist Dschabalia eines der größten
Flüchtlingslager. Mit Plastikfesseln an den Händen und verbundenen Augen
wurden über 3000 Palästinenser im Flüchtlingslager Kalkilia (und Tags zuvor
in Ramallah) festgenommen. Alle Jugendlichen und Männer zwischen 13 und 45
Jahren waren aufgerufen, sich den Soldaten zu stellen, die in den westlichen
Teil der Stadt eindrangen und in den Häusern Razzien vornahmen.
Massenverhaftungen fanden auch in Dahaishe, unweit von Bethlehem, statt, nachdem
die Armee in der Nacht die Kontrolle in dem Lager übernommen hatte. Die Hände der Palästinenser werden mit einem Gummiriemen verschnürt, die Augen mit einem Tuch verbunden. So soll verhindert
werden. Die Männer mussten zugleich ihre Oberhemden ausziehen und ihre Wertsachen sowie Handys in Plastikbeutel der Armee
abgeben. Dabei wurde den festgenommenen Palästinenser mit einem Filzstift
Zahlen auf Unterarm und Stirn geschrieben, eine Praxis, welche die Zionisten
immer den Nazis vorgeworfen hatten. Die meisten der 3000 Festgenommenen wurden in das Militärlager Ofer nahe Ramallah gebracht. Dort wurden sie von Mitarbeitern des israelischen Geheimdienstes
mit den "üblichen" Methoden verhört.
UN-Kinderhilfswerk UNICEF beklagt Tod von palästinensischen Kindern
und Zerstörung von Sehbehindertenschule (15.3.2002)
Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF beklagt den Tod von 211 palästinensischen Kindern seit Ausbruch der Gewalt vor 18 Monaten.
Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) protestierte in der vergangenen Woche gegen die Zerstörung der einzigen Schule für Sehbehinderte im Gazastreifen durch die israelische Luftwaffe. Einen
Irrtum hält Hochkommissar Peter Hansen für ausgeschlossen, weil ein benachbartes Polizeihauptquartier der Palästinenser zuvor schon bei fünf Einsätzen
getroffen worden sei.
Ab 29.3.2002
Bulldozer, Exekutionen, Leichenberge: Israels Armee hat im Flüchtlingslager
Dschenin, einer Hochburg des Palästinenser-Terrors, unvorstellbar gewütet.
Die israelische Armee hat mit Bulldozern Häuser und Menschen
niedergewalzt, Aufgabewillige erschossen und Leichenberge hinterlassen. In
offiziellen israelischen Verlautbarungen heißt es dazu: "Aufgrund der
Intensität der Kämpfe und der Komplexität der Operation war die Zahl der
Opfer auf der israelischen und der palästinensischen Seite besonders hoch."
Nach dem für die israelische Armee besonders "blutigen Dienstag", an
dem 14 Soldaten in einem Hinterhalt von einem Selbstmordbomber mit in den Tod
genommen wurden, entschloss sich die Armee zu einer brutaleren
Operationsmethode: Statt weitere Fußtruppen bei Haus-zu-Haus-Durchsuchungen zu
verheizen, schickte sie gepanzerte Bulldozer durch die schmalen Gassen, die
Hunderte von Häusermauern einrissen und breite Schneisen zogen. Diese
Verfahrensweise hatte General Ariel Scharon schon Anfang der siebziger Jahre in
den Flüchtlingslagern im Gazastreifen angewandt, um sie für die Armee
übersichtlicher und kontrollierbarer zu machen. Das Lager Dschenin gehörte mit
ehemals rund 15.000 Bewohnern zu den größten der insgesamt 19 Lager im
Westjordanland, die vor allem nach 1948 und im Anschluss an den Sechs-Tage-Krieg
von 1967 eingerichtet wurden. Es gab über 400 Ermordete wobei mindestens 150 in
den Straßen herumliegende Leichen von den Israelis verscharrt wurden, um sie
vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Verwundete erhielten keine Behandlung, da
Ambulanzwagen unter Beschuss gerieten. Über 2000 Männer wurden in
Konzentrationslager verschleppt. Am Donnerstag schickte die Palästinensische
Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte erneut alarmierende E-Mails in die
Welt: Nach Augenzeugenberichten hätte die Armee begonnen, große Massengräber
im Lager auszuheben, in denen mit der Beerdigung der Leichen hastig begonnen
worden sei. Damit solle der Augenschein für israelische Kriegsverbrechen
vertuscht werden. Zitiert werden Erklärungen von Offizieren gegenüber der
Zeitung "Haaretz" vom 9. April, in denen es unter anderem hieß:
"Bulldozer reißen die Häuser ein und richten schreckliche
Zerstörungen an. Wenn die Welt die Bilder sieht von dem, was wir hier getan
haben, wird uns das immensen Schaden zufügen". Wie Agenturen
ergänzend berichten, soll Israels Außenminister Schimon Peres laut Zeitung
"Haaretz" von einem "Massaker" in Dschenin gesprochen
haben. Das Büro des Außenministers stellte später klar, Peres habe die
Befürchtung ausgedrückt, die Palästinenser könnten die heftigen Kämpfe
"als Massaker darstellen".
Peter Hansen, Direktor der Flüchtlingshilfsorganisation UNRWA der Vereinten
Nationen, hatte am 7. April zu Protokoll gegeben: "Wir erhalten Berichte
über reinen Horror - daß Hubschrauber Wohngebiete beschießen, daß
systematischer Panzerbeschuss Hunderte Menschen getroffen hat und dass Nahrung
und Medikamente zu Ende gehen. Im Namen menschlichen Anstands appellieren wir an
die Armee, uns die Evakuierung der Verletzten und die Auslieferung von Essen und
Medikamenten zu ermöglichen."
UN-Gesandter: Flüchtlingslager Dschenin wurde vollkommen zerstört (Netzeitung
18. Apr 13:19): Die israelische Armee hat mit ihrem Angriff das Camp Dschenin im
Westjordanland dem Erdboden gleichgemacht, sagt ein UN-Vertreter. Das Leiden der
Überlebenden übersteige jede Vorstellung. Das Flüchtlingslager Dschenin im
Westjordanland existiert nicht mehr. Nach der israelischen Offensive steht dort
kaum noch etwas. Das Lager sei «völlig zerstört, als ob es von einem Erdbeben
erschüttert wurde», sagte der UN-Sondergesandte Terje Roed-Larsen.
Er hat das Camp am Donnerstag besucht und war offensichtlich entsetzt von dem
Ausmaß der Katastrophe. Roed-Larsen sprach von einem «Schrecken, der das
Verständnis übersteigt». Es sei «völlig unannehmbar», dass die israelische
Regierung Rettern seit elf Tagen den Zugang verweigere, sagte Roed-Larsen.
Helfer müssten unter den Trümmern nach Überlebenden suchen......







Während solche Bilder und die dazugehörigen Filme in den TV-Sendern der
gesamten arabischen und asiatischen Welt und selbst in den USA bei CNN
ausführlich gezeigt werden, geben deutsche TV-Sender kaum etwas davon wieder!
Dabei ist Dschenin nur eine Episode der fürchterlichen Verbrecher Israels in
dieser zionistischen Offensive, die den Namen "Operation Schutzwall"
trägt. In Wirklichkeit handelt es sich dabei gemäß den Worten Scharons um
einen: "totalen Krieg". Am 29.3. beschießem zionistische Panzer den wehrlosen
Hauptsitz der palästinensischen Autonomiebehörde. Obwohl bereits am 30. März:
der UN-Sicherheitsrat mit Zustimmung der USA den Rückzug der israelischen
Truppen aus dem Westjordanland verlangt, geht die Offensive unvermindert weiter.
In den nächsten Tagen rücken rücken zionistische Panzer weiter vor und am Ostermontag in die Städte
Kalkilia, Tulkarem und insbesondere
in den Geburtsort Jesu (a.) Bethlehem ein und umstellen die Geburtskirche, in
die sich fast 200 Palästinenser geflüchtet haben. Das Massaker von Dschenin
beginnt tags darauf am 2.April und dauert bis zum 11. April. Am 4.
April rollen zionistische Panzer in die größte Palästinenserstadt Nablus ein.
Jeder weitere Einmarsch ist mit unzähligen Ermordungen unschuldiger
Palästinenser verbunden (darunter Frauen und Kinder). Am 10.
April fordern die UN, EU, USA und Russland in Madrid die sofortige Einstellung der Kämpfe.
Israel "spuckt" auf alle Forderungen der Welt. Daraufhin fordert UN-Generalsekretär Kofi
Annan die Entsendung einer Eingreiftruppe.
Die USA "erklärt" ihm, dass es zu so einer Resolution nie kommen
wird, da die USA gegebenenfalls ihr Veto-Diktat nutzen werden. Am 19.
April beschließt dann der Weltsicherheitsrat eine Untersuchung des Massakers im
Flüchtlingslager Dschenin. Israel führt die UN an der Nase umher und lässt
dann keinen einzigen Inspekteur nach Israel einreisen, dass Annan am 1.
Mai die Untersuchungskommission ungetaner Dinge auflösen muss. Kein anders Land
der Erde darf derart ungestraft die gesamte Staatengemeinschaft für dumm
verkaufen und nach eigenen Massakern Bedingungen stellen. Zuletzt gab es eine
ähnliche Weltsituation nur bei den anfänglichen Massakern Hitlers an seinen
Nachbarländern.
UN-Kommission für Menschenrechte wirft Israel
Massentötung vor
Junge Welt 16.04.2002
UNO spricht von »Massentötungen« - Menschenrechtskommission verlangt Ende
der israelischen Offensive
Die UNO hat Israel »Massentötungen« in den Palästinensergebieten
vorgeworfen und ein sofortiges Ende der israelischen Militäroffensive verlangt.
In einer am Montag in Genf verabschiedeten Resolution zeigte sich die
UN-Menschenrechtskommission besorgt über die Lage der Menschenrechte in der
Region. 40 Staaten stimmten für die Erklärung, fünf dagegen, sieben Länder
enthielten sich der Stimme. Für die Resolution stimmten auch sechs EU-Staaten:
Belgien, Frankreich, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien. Die fünf
Länder, die mit Nein stimmten - Deutschland, Großbritannien, Guatemala, Kanada
und Tschechien -, hatten eine stärkere Verurteilung der palästinensischen
Gewalttaten gegen Israelis gefordert.
Der Text der von Pakistan eingebrachten Resolution war in Verhandlungen
leicht abgeschwächt worden. So ist zwar weiterhin vom Recht eines Volkes die
Rede, sich gegen fremde Besatzer zu wehren. Die Formulierung, dazu seien alle
Mittel einschließlich des bewaffneten Kampfes erlaubt, wurde jedoch gestrichen.
In der Resolution werden »krasse Verletzungen der Menschenrechte und des
internationalen Menschenrechts« verurteilt wie außergerichtliche
Hinrichtungen, willkürliche Festnahmen, die Folter von Gefangenen, die
Belagerung palästinensischer Orte und das jüngste Vordringen der israelischen
Armee auf palästinensisches Gebiet. Scharf verurteilt wird »der Krieg, den die
israelische Armee gegen palästinensische Ortschaften und Lager führt, der
bislang zum Tod Hunderter palästinensischer Zivilisten führte, darunter Frauen
und Kinder«. Ferner äußert sich die Kommission besorgt über die Weigerung
Israels, Resolutionen des Weltsicherheitsrats anzuerkennen und über die
Behandlung des palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat.
Eine internationale unabhängige Untersuchungskommission der UN wurde von
Israel brüsk abgelehnt. Daraufhin gab es in der "jungen Welt" (2.05.2002)
von Werner Pirker folgenden Kommentar:
Kapitulation vor Israel - Dschenin-Kommission der UNO aufgegeben
Die UNO hat vor Israel kapituliert. Was im palästinensischen Flüchtlingslager
Dschenin in den Tagen der israelischen Militärinvasion wirklich geschah,
entzieht sich erfolgreich der Aufklärung. Die internationale
Untersuchungskommission, die über die Richtigkeit der Massakervorwürfe hätte
befinden sollen, soll laut Kofi Annan aufgelöst werden.
Die Initiative zur Entsendung einer Kommission war von den USA
ausgegangen. Israel hatte zuerst zugestimmt, dann aber Bedingungen gestellt, die
eine Objektivierung der Ereignisse unmöglich gemacht hätten. Daraufhin
stellten die USA klar, daß sie die Erzwingung einer Untersuchung nicht zulassen
würden. Mit diesem Machtwort hat Washington seine eigene Initiative zum
Scheitern gebracht. Das war ja wohl auch der Sinn dieser Initiative. Die
»internationale Gemeinschaft«, auf die sich die USA bei Bedarf, etwa in
Balkan-Angelegenheiten, gerne berufen, ist endgültig zur Staffage verkommen.
Israel hat eine Ausnahmegenehmigung für Kriegsverbrechen erhalten.
Der Staat Israel begegnete der Staatengemeinschaft von jeher mit kalter
Verachtung. Zwar verdankt er seine Existenz einem Beschluß der
Weltorganisation, deren weitere Beschlüsse er aber fortan nicht mehr zur
Kenntnis nahm. Die USA haben die Nahost-Resolutionen mit verabschiedet. Doch
ebenso sind Verurteilungen Israels wegen permanenter Mißachtung von
UN-Beschlüssen stets am Veto der Amerikaner gescheitert. Die
Bush-Administration hat dieses verlogene Doppelspiel auf die Spitze getrieben.
Der Staat Israel erkennt die internationale Rechtsordnung, die nach 1945
als Konsequenz aus dem völkermörderischen Krieg des deutschen Faschismus
etabliert wurde, nicht an. Das stellt dem Staat der Holocaust-Überlebenden, als
der sich der jüdische Staat legitimiert fühlt, das denkbar schlechteste
Zeugnis aus. Israels Verhältnis zum Völkerrecht ist nihilistisch. Es definiert
seine Existenz außerhalb des allgemein-zivilisatorischen Zusammenhanges, es
wertet sein Existenzrecht höher als das anderer. Es bezieht sein Recht auf
Amoral aus dem Bewußtsein seiner moralischen Überlegenheit. Der Zionismus hat
das kollektive Gedächtnis an die jüdische Leidensgeschichte zum
religiös-chauvinistischen Kult der Auserwähltheit pervertiert.
Die amerikanisch-israelische Allianz beruht auf einer gemeinsamen
Geisteshaltung. Amerikas Selbstverständnis als Gottes eigenes Land und die
daraus abgeleitete moralische Unfehlbarkeit bildet die globale Entsprechung des
zionistischen Herrschaftsanspruches über Palästina.
Unfehlbar aber sind sie nur, weil sie (bislang) unschlagbar sind. Für
siegreiche Kriegsverbrecher sind in Den Haag keine Zellen frei. Zu diesem Zweck
wurde das Kriegsverbrechertribunal ja auch nicht geschaffen.
Der Bund Politik 19.4.2002
UNO-KOMMISSION / Die Uno-Menschenrechtskommission hat Israel heute Freitag
wegen der Inhaftierung libanesischer Staatsbürger und der Verletzung der
territorialer Integrität Libanons verurteilt. Es war die fünfte Verurteilung
Israels in diesem Jahr.
sda. 34 Länder stimmten für die Resolution, zwei dagegen und 17 enthielten
sich, darunter alle europäischen Länder und Japan. Die Resolution war von
islamischen Ländern sowie Kuba und Vietnam eingebracht worden. Das Uno-Gremium
verlangte von Israel, darauf zu verzichten, libanesische Staatsbürger als
«Geiseln» gefangen zu halten. Es forderte Israel zudem auf, dem
Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) regelmäßige Besuche dieser
Gefangenen zu gestatten. Die Kommission verlangte zudem, dass Israel der
Uno-Interimstruppe in Libanon (UNIFIL) alle Karten über Landminen zur
Verfügung stelle. Israel habe Hunderttausende von Minen zurückgelassen, die
bereits Hunderte von Toten und Verletzten unter der Bevölkerung in Südlibanon
forderten. Seit Beginn ihrer Jahressitzung am 18. März verurteilte die
Uno-Menschenrechtskommission Israel zum fünften Mal. Das Uno-Gremium verlangte
von der Uno-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson eine Untersuchung vor Ort
und kritisierte die «Massentötungen», die die israelische Armee bei ihrer
Offensive beging. Die Kommission verlangte auch, dass sich Israel von den
syrischen Golan-Höhen zurückzieht und den völkerrechtswidrigen Siedlungen in
den Palästinensergebieten ein Ende setzt.
8.5.2002
Die UN-Vollversammlung hat das israelische Vorgehen in den palästinensischen
Gebieten verurteilt. UN-Generalsekretär Annan soll einen Bericht zu den
Vorgängen um das Flüchtlingslager Dschenin erstellen. Mit großer Mehrheit hat
die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) dafür gestimmt,
UN-Generalsekretär Kofi Annan den Auftrag für die Erstellung eines Berichts
über die Vorgänge in Dschenin zu erteilen. Die Mitglieder verurteilten zudem
die israelischen Militäraktionen in den Palästinensergebieten. 74 Mitglieder
des Gremiums votierten für eine von den arabischen Staaten eingebrachte
Resolution. Vier lehnten diese ab. 54 Mitglieder enthielten sich der Stimme.
Abgelehnt wurde der Entwurf auch von den USA. Scharfe Kritik übten die
Mitglieder an der Weigerung Israels, eine UN-Mission zur Untersuchung des
israelischen Vorgehens im Flüchtlingslager Dschenin einreisen zu lassen. Die
Palästinenser werfen dem zionistischen Militär vor, ein brutales Massaker an
der Zivilbevölkerung verübt zu haben. Unabhängige Beobachter von
Nichtstaatlichen Organisationen waren schockiert, als sie das Lager besuchten.
Harke-Nienburg 22.12.2002
Bush bekräftigt Unterstützung für palästinensischen Staat New York (dpa)
- Die USA haben «mit Bedauern» eine gegen Israel gerichtete Resolution im
Weltsicherheitsrat durch ihr Veto blockiert.
Nach dem von Syrien im Namen der arabischen Staaten eingebrachten
Resolutionsentwurf sollte Israel für den Tod von drei UN-Mitarbeitern in den
Palästinensergebieten scharf verurteilt werden. Zwölf der 15 Ratsmitglieder
stimmten dem Text in der Nacht zum Samstag zu, darunter auch Frankreich,
Großbritannien, Russland und China. Lediglich Bulgarien und Kamerun enthielten
sich der Stimme.
Im Text der durch Washingtons Einspruch gescheiterten Resolution hieß es
unter anderem, Israel solle «den exzessiven und unausgewogenen Gebrauch von
Gewalt in den besetzten palästinensischen Gebieten stoppen». Ähnlich hatte
sich auch der UN-Sonderbeauftragte für den Nahostkonflikt, Terje Roed- Larsen,
kürzlich vor dem Sicherheitsrat geäußert. Der amerikanische UN- Botschafter
John Negroponte wies den Resolutionsentwurf als «einseitig» zurück und warf
Syrien und den Palästinensern vor, offensichtlich mehr an einer Verurteilung
Israels als an Schutzmaßnahmen für UN-Personal interessiert zu sein.
Zu den drei von israelischem Militär erschossenen UN-Mitarbeitern gehörte
der Brite Iain Hook. Er war am 22. November in einer UN- Anlage im
Flüchtlingslager Dschenin (Westjordanland) von einem israelischen Soldaten
während eines Feuergefechts mit bewaffneten Palästinensern erschossen worden.
Bei den beiden anderen Opfern handelt es sich um zwei palästinensische
Mitarbeiter des UN- Hilfswerks UNRWA in Gaza. Sie waren am 6. Dezember zusammen
mit acht anderen Palästinensern von israelischem Militär getötet worden.
Washington hatte genau ein Jahr zuvor sein letztes Veto gegen eine Resolution
des Weltsicherheitsrates eingelegt - ebenfalls im Zusammenhang mit dem
Nahostkonflikt. Damals wie heute beschuldigten die Palästinenser die
US-Regierung, parteilich zu sein. «Niemand hat erwartet, dass dieser (syrische)
Resolutionsentwurf durch zu wenige Stimmen oder ein Veto verhindert werden
würde, obwohl wir alle wissen, dass die USA auf Israels Seite stehen»,
erklärte der Beobachter der Palästinenser bei den Vereinten Nationen in New
York, Nassir el Kidwa, nach der Abstimmung.
Der syrische Vorstoß war in diplomatischen Kreisen als Reaktion der
arabischen Nationen auf Resolution 1450 gewertet worden, die der Sicherheitsrat
am 13. Dezember verabschiedet hatte. Darin hatte der Rat die Terroranschläge
auf israelische Touristen Ende November bei Mombasa (Kenia) verurteilt.