Chronik der Verbrechen 2003
kurier.at, ap , Artikel vom 12.11.2003
"Die Verneinung angemessener Nahrung und des nötigen Wassers für ein
Volk, das unter Besatzern lebt, stellt einen Akt kollektiver Bestrafung dar. Das
aber ist nach dem Völkerrecht verboten": UN-Sonderbeauftragter Ziegler
übt herbe Kritik an Israel.
New York - Israel schränkt einem UN-Bericht zufolge die Versorgung von
zahlreichen Palästinensern mit Nahrungsmitteln und Wasser ein. Dadurch drohe
dem palästinensischen Volk zunehmend die "Gefahr der physischen, sozialen
und psychischen Vernichtung", heißt es in dem Bericht, den der UN-
Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, am Mittwoch
vorstellte. "Diese Tragödie wird von der Weltöffentlichkeit, den Medien
und der internationalen Gemeinschaft weitgehend ignoriert", sagte Ziegler.
Kollektive Bestrafung
Ziegler kam laut dem Bericht zu der Überzeugung, dass die israelische
Besatzungspolitik palästinensische Gemeinden zunehmend isoliert und dass die
Zerstörung von Häusern und landwirtschaftlichen Anbauflächen weiter zur
dramatischen Verschlechterung ihrer Lage beiträgt. Er beschuldigte Israel,
nahezu vier Millionen Palästinensern das Recht auf Zugang zu Nahrungsmitteln
und Wasser zu verweigern. "Die Verneinung angemessener Nahrung und des
nötigen Wassers für ein Volk, das unter Besatzern lebt, stellt einen Akt
kollektiver Bestrafung dar. Das aber ist nach dem Völkerrecht verboten",
erklärte Ziegler.
Ziegler, ein prominenter Soziologieprofessor aus Genf, hatte seine
Erkundigungen bei Gesprächen mit israelischen Politikern und Militärs sowie
palästinensischen Autoritäten und humanitären Helfern bei einem zehntägigen
Besuch im Juli eingezogen.
60 Prozent in Armut
Dem Bericht zufolge hat sich die Zahl der unter- und fehlernährten
palästinensischen Kinder seit 2000 auf 22 Prozent verdreifacht. 15,6 Prozent
aller palästinensischen Kinder litten unter akuter Anämie. Diese könnte ihre
körperliche und geistige Entwicklung auf Dauer beeinträchtigen. Insgesamt sei
der Konsum von Nahrungsmitteln pro Kopf der palästinensischen Bevölkerung um
30 Prozent esunken. 60 Prozent aller Haushalte darbten in akuter Armut, und
jeder zweite Palästinenser sei auf internationale Nahrungshilfe angewiesen.
Vertreter der israelischen und der US-Regierung kritisierten Ziegler scharf.
Der israelische Botschafter warf dem Soziologen vor, mit seinem Bericht die
Regeln der Objektivität zu verletzen. Israel müsse zum eigenen Überleben an
den Sicherheitsmaßnahmen fest halten. Der Vertreter der US- Regierung, Jeff De
Laurentis, erklärte, Ziegler missbrauche sein Mandat für politische Ziele.
(TP 26.10.2003) Israelische Soldaten holten sich aus Krankenhäusern in
Nablus zwei Terrorverdächtige - womöglich in Verletzung der Genfer
Konventionen
Israelische Soldaten sind, getarnt mit schwarzen Skimasken, in zwei
Krankenhäuser im Westjordanland gestern Abend eingedrungen und haben zwei
Männer verhaftet. Angeblich handelt es sich und verdächtige Terroristen. Ein
entführter Patient war schwer verletzt.
Mehr dazu bei Telepolis
19.10.2003 - Die UNO-Vollversammlung hat mit großer Mehrheit den Abbau der israelischen
Sperranlagen gefordert. Sie verstießen gegen internationales Recht und seien außerdem
auf «okkupiertem palästinensischem Territorium», heißt es in der Resolution,
die in der Nacht auf gestern von 144 Staaten angenommen wurde. Vier Länder
stimmten gegen den Stopp der Bauarbeiten: Israel, die USA, Mikronesien und die
Marschall-Inseln. Zwölf Staaten enthielten sich der Stimme.
Sharon Reaktion auf diese Resolution ist seiner Rede am 20.10.2003 in der
Knesset zu entnehmen: "Die Errichtung des Zaunes wird zu beschleunigen sein
und wir werden alles tun, damit die nächste Bauphase, einschließlich der
Gegend um Jerusalem, heute in einem Jahr abgeschlossen sein wird."
Vor der Abstimmung hatten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union und die
arabischen Länder stundenlang verhandelt. Im Gegenzug für die Unterstützung
der EU ließen die arabischen Staaten einen zweiten Resolutionsentwurf fallen,
in der der Internationale Gerichtshof um eine Einschätzung gebeten werden
sollte. Zahlreiche EU-Mitgliedsländer und die Vereinigten Staaten hatten sich
dagegen ausgesprochen, den Gerichtshof zu Rate zu ziehen. Außerdem stimmten die
arabischen Länder zu, eine Bezeichnung des Grenzzauns als illegal aus dem Text
zu streichen und palästinensische Selbstmordanschläge zu verurteilen.
Die Entschließung deckt sich mit der, die die USA im UN-Sicherheitsrat in
der vergangenen Woche mit ihrem Veto blockiert hatten. Die Resolutionen der
Vollversammlung sind im Gegensatz zu denen des Sicherheitsrats rechtlich nicht
bindend.
Netzeitung -
15. Okt 2003 07:35
Die USA haben im UN-Sicherheitsrat erneut eine Israel-kritische Resolution
mit ihrem Veto verhindert. Damit lehnten sie eine Verurteilung des umstrittenen
Sperrwalls ab.
Zum zweiten Mal binnen eines Monats haben die Vereinigten Staaten mit einem
Veto im UN-Sicherheitsrat eine Israel-kritische Resolution blockiert. Washington
machte am Dienstag (Ortszeit) in der Abstimmung über eine von Syrien
eingebrachte Entschließung, mit der der israelische Schutzwall entlang des
Westjordanlands verurteilt werden sollte, erwartungsgemäß von seinem Vetorecht
Gebrauch.
Zehn Mitglieder des höchsten UN-Gremiums stimmten für die Resolution, vier
Länder, darunter Deutschland, enthielten sich. Mitte September hatten die USA
mit ihrem Nein eine Resolution zum Scheitern gebracht, die von Israel die
Rücknahme der angedrohten Ausweisung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat
forderte....
Frankfurter Rundschau 20.9.2003
New York (dpa) - Die UN-Vollversammlung hat am Freitagabend gegen die von
Israel anvisierte Ausweisung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat
gestimmt. 133 Länder unterstützten die Resolution. Am Veto der Amerikaner war
Anfang der Woche eine ähnliche Resolution im Weltsicherheitsrat gescheitert.
Dafür setzten sich die arabischen Staaten nun im Plenum aller 191
UN-Mitgliedsstaaten durch.
Die USA, Israel, die Marshallinseln und Mikronesien verweigerten der
Resolution ihre Stimme. Deutschland befürwortete sie jetzt, nachdem UN-
Botschafter Gunter Pleuger sich im Namen der Bundesregierung im Sicherheitsrat
der Stimme enthalten hatte.
Die von der UN-Vollversammlung verabschiedete Resolution hat den gleichen
Wortlaut wie jene, die die USA im Sicherheitsrat blockiert hatten. Darin wird
Israel aufgefordert, von der Ausweisung Arafats sowie von allen Drohungen gegen
ihn Abstand zu nehmen. Der Entwurf wurde schon im Voraus von den 21 arabischen
Ländern und den 116 blockfreien Staaten unterstützt.
In der alle 191 UN-Mitgliedstaaten umfassenden Vollversammlung ist kein Veto
möglich. Allerdings haben ihre Beschlüsse im Gegensatz zu jenen des
Sicherheitsrates, der fünf ständige und zehn zeitweilige Mitglieder hat, auch
keine völkerrechtlich bindende Wirkung.
Nahost: Israel von UNO wegen gezielter Tötungen
verurteilt
EU fordert Baustopp in Siedlungen
Aargauer Zeitung Politik 16.4.2003
Die UNO-Menschenrechtskommission (MRK) hat Israel am Dienstag wegen gezielter
Tötungen verurteilt. Die EU forderte in einer weiteren Resolution einen
Baustopp der völkerrechtswidrigen israelische Siedlungen in den besetzten
Gebieten. Die Schweiz unterstützte die EU-Resolution.
33 Länder dafür Die von arabischen Ländern eingebrachte Resolution
verurteilt die Praktik der "Liquidation" oder "aussergerichtlichen
Hinrichtungen", die die israelische Armee gegenüber Palästinensern
anwende. 33 Länder stimmten für die Resolution und 15 enthielten sich. Die
USA, Kanada, Australien, Deutschland und Peru stimmten dagegen. Die Resolution
kritisiert die Verschlechterung der humanitären und Menschenrechtslage in den
besetzten Palästinensergebieten. Sie verurteilt unter anderem die Abriegelungen
der Gebiete, die Inhaftierung von 15 000 Palästinensern ohne Anklage und die
Anwendung von Folter. Verurteilt wird auch die Verhängung von Kollektivstrafen,
Luftangriffen, die Belagerung von Städten und Dörfern sowie die Tötung von
Männern, Frauen und Kindern.
Völkerrechtswidrige Siedlungen Die von der EU eingebrachte Resolution gegen
die völkerrechtswidrigen Siedlungen wurde mit 50 Stimmen bei zwei Enthaltungen
(Australien und Costa Rica) angenommen. Die USA stimmten als einziges Land
dagegen. Die israelische Siedlungspolitik unterminiere die Realisierung einer
Zwei- Staaten-Lösung und gefährde daher langfristig die Sicherheit für
Palästinenser und Israelis, heisst es in der Resolution. Gefordert wird ein
sofortiger Stopp des Baus und der Erweiterung von Siedlungen. Die Resolution
fordert zudem die Umsetzung des Nahost-Fahrplans, den die EU zusammen mit den
USA, Russland und der UNO erarbeitete.
Verletzung der Genfer Konvention Die fortgesetzten Siedlungsaktivitäten,
einschliesslich die Vergrösserung von Siedlungen, die Enteignung von Land,
Zerstörung von Häusern, die Konfiszierung und Zerstörung von Eigentum, die
Vertreibung von Palästinensern seien eine Verletzung der Vierten Genfer
Konvention, heisst es weiter. Die Konvention definiert den Schutz der
Zivilbevölkerung in besetzten Gebieten. Die MRK tagt seit dem 17. März. Rund
3000 Vertreter aus den 53 Mitgliedstaaten sowie von staatlichen und
nichtstaatlichen Organisationen beraten über die Menschenrechtslage in der
Welt. Die Jahreskonferenz des UNO-Gremiums dauert bis am 25. April. (sda/heh)
Kommentar des Muslim-Markt: Es ist schon wirklich
erstaunlich: Während gleich mehrere Schweizer Zeitungen von diesem Ereignis
berichten (z.B. Aargauer, Vorarlberg, Tiroler, Der Bund), findet sich nicht ein
einziges Wort in der gleichgeschalteten deutschen Presse (und der Muslim-Markt
prüft mit diversen Suchmaschinen weit über 100 Zeitungen! Hinzu kommen rund
ein Dutzend Leser, die uns ebenfalls auf Artikel hinweisen!). Eine bessere
Zensur hat Goebbels auch nicht realisieren können! Zur "Ehrenrettung"
der deutschen Presse sei ein kurzer Nebensatz in der "taz", ein
Bericht im Focus-online (keine Tageszeitung, siehe unten) und ein ausführlicher Bericht in
der allerdings nur im Internet erscheinenden "netzeitung" erwähnt.
UN werfen Israel Massaker vor
FOCUS Politik 15.4.2003
Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen
hat Israel wegen Gräueltaten an Palästinensern in ungewöhnlich scharfer Form
verurteilt. In einer am Dienstag in Genf verabschiedeten Resolution werfen die
Mitgliedstaaten Israel außergerichtliche Hinrichtungen und Kollektivstrafen
vor, außerdem die Tötung von Zivilisten. Deutschland stimmte als einziges
Kommissionsmitglied der EU ebenso wie die USA, Kanada, Australien und Peru gegen
die Entschließung. Israels UN-Vertreter in Genf, Jaakov Levy, bezeichnete den
Text als völlig einseitig und politisiert. In der Resolution wird in
scharfer Form die kontinuierliche Verschlechterung der Lage in den
Palästinensergebieten angeprangert. Die Menschenrechtskommission kritisiert
darin die Abriegelung (der Territorien), die Verhängung von
Kollektivstrafen, willkürliche Festnahmen, die Belagerung von Städten und
Dörfern, Luftangriffe sowie die Tötung von Männern, Frauen und Kindern.
Auch Angriffe auf medizinisches Personal werden verurteilt. 33 der 53
Mitgliedsstaaten stimmten für die Resolution, darunter die arabischen Staaten
sowie China und Kuba. 15 Staaten enthielten sich. In einer weiteren, von der
Europäischen Union eingebrachten Entschließung wird Israel aufgefordert, die
Ausweitung der jüdischen Siedlungen zu stoppen und palästinensischen
Arbeitnehmern Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Der Vertreter der USA, Michael
Southwick, nannte beide Resolutionen unausgewogen. Es müssten auch
Selbstmordanschläge und Unterstützer terroristischer Gruppen verurteilt
werden. Mehrere Länder, darunter Deutschland, hatten sich bereits im
vergangenen Jahr gegen eine Verurteilung Israels wegen seines Vorgehens in den
Autonomiegebieten ausgesprochen. Sie stören sich vor allem an der Bezeichnung
Massaker.
(16.3.2003) Eine US-Bürgerin und erklärte Pazifistin ist am Sonntag den
16.3.2003 im Gazastreifen bei einem Armee-Einsatz ermordet worden. Sie stellte
sich vor einen Bulldozer der israelischen Armee, der ein Haus abreißen wollte.
Augenzeugen berichteten, die 23-Jährige habe sich einem Bulldozer entgegen
gestellt, der ein Haus im Flüchtlingslager Rafah einebnen wollte. Ärzte
sagten, sie sei überfahren worden und sei wenig später im Krankenhaus ihren
Verletzungen erlegen. Die israelische Armee wollte sich zu dem Zwischenfall
nicht äußern, dementsprechend wurde es auch von vielen westlichen Medien
verschwiegen. Die Amerikanerin gehörte zu einer Internationalen
Solidaritätsgruppe, deren Mitglieder versuchen, als «menschliche
Schutzschilde» Zerstörungen in palästinensischen Gebieten zu verhindern. Nur
die allerwenigsten Medien berichtete davon (n-tv, netzeitung und in einem
anderen Artikel versteckt die Süddeutsche Zeitung).
Siehe auch Photo-Story Rachel Corrie
Remscheider GA 18.3.2003
New York (dpa) - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat Israel vorgeworfen,
«einen zentralen Grundsatz internationaler Menschenrechte» zu missachten. Es
verstoße bei seinen anhaltenden Militäraktionen im Gazastreifen gegen die
Pflicht, «alle möglichen Maßnahmen zu treffen, um zivile Opfer zu
vermeiden». Der UN- Generalsekretär sprach den Familien der Opfer sein Beileid
aus.
Frankfurter Neue Presse Politik 23.2.2003
Europa Flagge Jerusalem (dpa) Das bereits gespannte Verhältnis zwischen
Israel und der Europäischen Union hat sich weiter verschlechtert. In einem
besonders scharf formulierten Brief an das Außenministerium in Jerusalem
äußerte die EU heftige Kritik an den israelischen Militäraktionen in den
Palästinensergebieten, wie die israelische Zeitung «Haaretz» am Freitag in
ihrer aktuellen Online-Ausgabe berichtete.
In dem Brief wurden auch die Enteignung palästinensischen Landes für den
Bau eines Sicherheitszauns, die Schließung von Universitäten sowie die
Verletzung von Menschenrechten in palästinensischen Bevölkerungszentren
bemängelt. Aus Kreisen in Jerusalem verlautete, es handele sich bei der Kritik
um «die ernsthafteste, die wir in der jüngsten Vergangenheit bekommen haben».
Man sehe die Erklärung in Israel mit großer Besorgnis.
Der stellvertretende Generaldirektor des Außenministers, Victor Harel, dem
der Brief von EU-Botschaftern übermittelt wurde, wies die Kritik zurück. Er
stellte die Frage, warum die EU die Absicht des Palästinenserpräsidenten
Jassir Arafat lobe, einen Ministerpräsidenten zu ernennen und israelische
Schritte wie die Rückzahlung von Steuergeldern ignoriere.
Nach dem Tod von zwei palästinensischen Krankenpflegern wendet sich Handicap
International mit Protest an die israelischen Repräsentanten in Europa
[20.02.2003 - 18:16 Uhr]
München (ots) - Nach dem Tod von zwei palästinensischen Krankenpflegern in
Gaza-Stadt richtet heute das Netzwerk der Sektionen von Handicap International
ein Schreiben an die israelischen Botschafter in Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Luxemburg und der Schweiz - mit dem Appell, das internationale
Humanitäre Recht in den Palästinensergebieten zu respektieren. Seit 1996
unterstützt Handicap International vor Ort in den Palästinensergebieten den
Aufbau von Versorgungsangeboten für Menschen mit Behinderung.
Am 5. Februar fanden zwei junge Krankenpfleger des Krankenhauses El Wafa,
seit 1999 Partnereinrichtung von Handicap International, während der Ausübung
ihrer Tätigkeit im Krankenhaus den Tod. Die Kugel, durch die die beiden Pfleger
Abd al-Karim Anwar Labad (22 Jahre) und Omar Saad al-din Hussan (21 Jahre)
starben, wurde aus einem von der israelischen Armee besetzten Gebäude
abgefeuert. El Wafa ist ordnungsgemäß gekennzeichnet, so dass es ohne Zweifel
als Krankenhaus erkannt werden kann, und auch die Kleidung des Personals macht
die Zugehörigkeit zum Berufsstand der Ärzte und Krankenpfleger deutlich.
Zum wiederholten Male protestiert Handicap International entschieden gegen
diese Gewalttaten und fordert von den israelischen Behörden, dass alle Regeln
des Humanitären Rechts auch von der israelischen Armee zu respektieren sind.
Die Organisation erinnert im Besonderen daran, dass Angriffe auf medizinisches
Personal und jede Behinderung medizinischer Rettungsarbeiten durch dieses Recht*
verboten sind. Der vorsätzliche Angriff auf Krankenhauspersonal während eines
nationalen oder internationalen bewaffneten Konflikts stellt ein
Kriegsverbrechen dar, das durch internationales Recht bestraft wird und somit in
den Kompetenzbereich des Internationalen Strafgerichtshofs fällt.
Die Organisation ruft weiterhin die israelischen Behörden dazu auf, in
diesem Fall zu ermitteln, damit möglichst schnell die genauen Todesumstände
der beiden Krankenpfleger des Krankenhauses El Wafa festgestellt werden können.
Die Verantwortlichen für diese Tat müssen bestraft werden.
In einem gemeinsamen Brief an die israelische Botschaft in Paris haben
Handicap International, Ärzte der Welt und Ärzte Ohne Grenzen bereits im März
2002 gegen die immer wiederkehrenden Angriffe auf palästinensisches
Krankenhauspersonal und Schläge der israelischen Armee gegen bestimmte
Krankenhäuser protestiert. Seitdem hat sich die Situation verschlimmert -
erkennbar an den neuen Opfern, um die wir trauern. Der Zugang zu medizinischer
Versorgung wird so für die palästinensische Bevölkerung immer
problematischer.
Der letzte Bericht des UNO-Büros für die Koordination humanitärer
Angelegenheiten bestätigt für den Anfang des Jahres 2003 einen Anstieg von
Angriffen auf medizinisches Personal, die Behinderung sanitärer Fahrzeuge sowie
- aus Gründen der unsicheren Bedingungen - die Unmöglichkeit für bestimmte
Krankenhäuser, kranke und verletzte Palästinenser aufzunehmen.
* Siehe Artikel 18 und 20 der Vierten Genfer Konvention (Schutz von
Zivilpersonen in Kriegszeiten):
Art. 18: "Zivilspitäler, die zur Pflege von Verwundeten, Kranken,
Schwachen und Wöchnerinnen eingerichtet sind, dürfen unter keinen Umständen
das Ziel von Angriffen bilden; sie sollen jederzeit von den am Konflikt
beteiligten Parteien geschont und geschützt werden. (...)" Art. 20:
"Das ordentliche und ausschließlich für den Betrieb und die Verwaltung
der Zivilspitäler bestimmte Personal, einschließlich des mit dem Aufsuchen,
der Bergung, dem Transport und der Behandlung von verwundeten und kranken
Zivilpersonen, von Gebrechlichen und Wöchnerinnen beschäftigten Personals,
soll geschont und geschützt werden. (...) Alles andere für den Betrieb oder
die Verwaltung der Zivilspitäler bestimmte Personal soll geschont und
geschützt werden (...)
Originaltext: Handicap International Deutschland
17.09.2003 -
freace.de
Die in den UN-Sicherheitsrat eingebrachte Resolution, die den israelischen
Plan, Yasser Arafat auszuweisen oder sogar zu töten verurteilen sollte, wurde
durch ein Veto der USA abgelehnt.
Drei Länder, Bulgarien, Großbritannien und auch Deutschland, hatten sich
bei der Abstimmung der Stimme enthalten. Angesichts der Enthaltung Deutschlands
ist die Aussage des deutschen UN-Botschafters Gunter Pleuger, der sich
enttäuscht über das Ergebnis zeigte und von dem "falschen Signal"
sprach, nur als heuchlerisch zu bezeichnen.
Offiziell wurde dies damit begründet, daß der Entwurf "nicht die
Bedrohung durch Hamas aufführte", so John Negroponte, der UN-Botschafter
der USA.
Damit haben die USA ein weiteres Mal durch ein Veto im Sicherheitsrat eine
Resolution verhindert, die das israelische Verhalten gegenüber Palästinensern
verurteilt hätte. Palästinensische Politiker befürchten nun, daß die Haltung
der USA von Israel als ein "Freibrief" für die Tötung Arafats
verstanden werden könnte.
Währenddessen hat Israel das Angebot Arafats für einen unbefristeten
Waffenstillstand abgelehnt. Der Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten
Sharon, Ranan Gissin, bezeichnete das Angebot als "Falle." Als
Bedingung für den Waffenstillstand hatte Arafat das Einstellen der israelischen
Angriffe und die Aufhebung der Abriegelung der palästinensischen Gebiete
gefordert.
Die Befürchtung der Palästinenser, daß sich Israel durch die erneute
amerikanische Ausübung des Vetorechts in seinem Vorgehen bestätigt sieht, ist
aller Wahrscheinlichkeit nach angemessen. Daß die USA nicht einmal angesichts
der offen ausgesprochenen Pläne Israels, den gewählten Präsidenten Arafat zu
töten bereit sind, sich im Sicherheitsrat gegen das Land zu stellen, kann
sicherlich als allgemeiner Freibrief für das israelische Verhalten verstanden
werden. Dies wird auch nicht durch die amerikanische Aussage nach dem Veto
geschwächt, man würde den Plan "nicht gutheißen."
Ein militärisches Vorgehen gegen Arafat wäre nicht nur völkerrechtlich
illegal und moralisch indiskutabel, es würde höchstwahrscheinlich auch dazu
führen, daß die Situation endgültig außer Kontrolle geraten würde.
Dieser Vorfall zeigt auch ein weiteres Mal, wie lähmend sich das Vetorecht
auf die Arbeit des UN-Sicherheitsrates auswirkt.
Tages-Anzeiger
Online 30.9.2003
In einem Bericht des Uno-Sonderberichterstatters werden Israel anhaltende
Verstösse gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht
vorgeworfen.
Es müsse eine gewisse Grenze geben bei der Verletzung der Menschenrechte im
Namen des Anti-Terror-Kampfes, schreibt der Uno-Sonderberichterstatter für die
Lage in den besetzten Palästinensergebieten, Jon Dugard, in seinem Bericht.
Darin fordert Dugard, dass die von Israel gebaute Sperranlage zu den
Palästinensergebieten als ungesetzlicher Akt der Annexion verurteilt wird.
Ausserdem solle eine unabhängige Untersuchung Vorwürfe von Folter und
unmenschlicher und herabwürdigender Behandlung von palästinensischen
Häftlingen klären.
Israels Uno-Botschafter Yaakov Levy kritisierte den Bericht. Dieser sei
erneut einseitig und voreingenommen. Der Bericht lasse die anhaltende Gewalt
gegen israelische Zivilisten, bei der seit September 2000 rund 900 Israelis
getötet worden sein, ausser Acht.
Angesichts dieses Hintergrundes seien Israels Massnahmen zur
Selbstverteidigung - einschliesslich des Baus eines Sperrzaunes, um das
Eindringen von Selbstmordattentäter zu verhindern - angemessen.
In seinem Bericht räumt der Uno-Sonderberichterstatter ein, dass Israel das
Recht auf starke Vorkehrungen zur Vermeidung von Selbstmordanschlägen und
anderer Terrorakte habe. Es müsse aber eine gewisse Grenze bei der Verletzung
der Menschenrechte im Namen des Anti-Terror-Kampfes geben.
Israel müsse einen Mittelweg finden zwischen der Respektierung der
grundlegenden Menschenrechte und den eigenen Sicherheitsinteressen. (grü/sda)