Identitätsfrage
Bei deutschen Juden stellt sich grundsätzlich zuerst die Identitätsfrage. Betrachten
sie ihr Judentum als eine Religion, wie z.B. das Christentum, wobei die
Religionszugehörigkeit unabhängig von der Staatsbürgerschaft ist, oder ist das Judentum
eine rassistisch motivierte Ideologie, wie der Zionismus? Während die in Deutschland
lebenden jüdischen Staatsbürger in offiziellen Verlautbarungen sich als
"Deutsche" bezeichnen und Judentum und Zionismus zwei voneinander zu
unterscheidende Ideologien darzustellen versuchen, gibt die Israelische Botschaft in ihrer
Internetpräsenz auf die Frage "sind alle Juden Zionisten" folgende
Antwort: Juden sind insofern Zionisten, als die Rückkehr des jüdischen Volkes in
sein Heimatland Inhalt einer der fundamentalen Lehren des Judentums ist. Die meisten Juden
unterstützen den Staat Israel die grundlegende Verwirklichung des Zionismus. Es
gibt Juden, die den Zionismus als politische Bewegung ablehnen.
Ausgehend von dieser Einleitung zum Einfluss des Zionismus in Deutschland können
erstaunliche Parallelen zu den bereits vorher jeweils erst nach der Amtsübernahme
entdeckten eigenen Identitäten von einflussreichen Juden hergestellt werden.
Entschädigungszahlungen
Ein Kapitel des zionistischen Einflusses in Deutschland ist gefüllt mit den immer
wieder eingeforderten Zahlungen an Israel oder zionistische Organisationen überall in der
Welt. Selbst jüdische Autoren in Deutschland haben öffentlich behauptet, dass sich
zionistische Organisationen des mehrfachen Abkassierens schuldig gemacht haben. Von
europäischen Regierungen eigneten sie sich ebenso widerrechtlich Geld an wie von den
tatsächlichen Überlebenden der Nazi-Verfolgung. Sogar in den offiziellen Annalen der
Jewish Claims Conference (JCC) wird eingeräumt, dass die JCC Zahlungen nicht
bestimmungsgemäß verwandt habe, welche die deutsche Regierung ursprünglich für
Holocaust-Opfer vorgesehen hatte. Während der Zwangsarbeiter-Verhandlungen in 2000
legte die JCC gemäß Angaben eines jüdischen Autors weit überhöhte Zahlen von noch
lebenden jüdischen Zwangsarbeitern vor und zitiert die Frage: Wenn jeder, der
behauptet, ein Überlebender zu sein, wirklich einer ist, wen hat Hitler dann eigentlich
umgebracht?
Allerdings vertreten die führenden Mitglieder des Zentralrats der Juden in Deutschland
bedauerlicherweise nicht Deutsche Interessen (und damit auch die Interessen der Deutschen
Juden) sondern machen sich zum Sprachrohr zionistischer Organisationen in den USA. Gemäß
einer dpa Meldung vom 28.1.2001 bezeichnete der Vizepräsident des Zentralrats der Juden
in Deutschland, Michel Friedmann, das Verhalten der Deutschen Wirtschaft als
"unerträglich und skandalös", nur weil diese vor etwaigen Zahlungen an u.a.
zionistische Organisationen in den USA eine Rechtssicherheit vor weiteren Klagen
einforderten. Dabei war er als ehemaliges Mitglied des CDU-Präsidiums auch bereit
deutschen Unternehmen Schaden zuzufügen. Er forderte, den politischen und
gesellschaftlichen Druck auf die zahlungsunwilligen Unternehmen zu verstärken. Die
Verweigerer müssten angeprangert werden. Das Argument der Wirtschaft, sie könne erst bei
Rechtssicherheit zahlen, ließ Friedman nicht gelten. Daher stellt sich die berechtigte
Frage, wessen Interessen diesem deutschen Staatsbürger wichtiger sind? Es sei in diesem
Zusammenhang erwähnt, dass weder Friedmann noch irgendein anderes führendes Mitglied des
Zentralrats der Juden in Deutschland, bei all der Erinnerung an 50 Jahre zurückliegendes
Leid eines Volkes, sich jemals kritisch gegen israelische Soldaten geäußert haben, die
täglich mit tödlicher Munition auf muslimische Kinder schießen, vor laufenden Kameras.
Als deutsche Muslime stellen wir uns die Frage, wie kann man die Geschichte auch nur
halbwegs vernünftig aufarbeiten, ohne die Massaker der Gegenwart zu bekämpfen. Die
deutschen sollen 50 Jahre danach noch immer zahlen, weil sie eine Verantwortung tragen.
Warum aber tragen die sich zu Israel bekennenden Personen, unabhängig davon ob es Juden
sind oder nicht, keine Verantwortung für die heutigen Grausamkeiten? Sollen die Muslime
50 Jahre warten, bevor sie ihr Recht einfordern dürfen?
Zur gleichen Zeit hatte das kleine Österreich der Zahlung von 210 Millionen Dollar
(226 Millionen Euro/3,11 Milliarden Schilling) zur Entschädigung von NS-Opfern und ihren
Angehörigen zugestimmt, denen während der Nazi-Zeit ihr Besitz geraubt worden war. Damit
hatte das kleine Österreich alleine insgesamt rund eine Milliarde Dollar Entschädigung
zugesagt. Aber das sollte nicht reichen. Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat von
Österreich eine unmissverständliche Entschuldigung für die Beteiligung des Landes an
der Verfolgung und
Ermordung von Juden während der Nazi-Zeit gefordert. Andernfalls werde der WJC die
Vereinbarungen Österreichs mit den USA zur Entschädigung von NS-Opfern nicht
unterzeichnet. Österreich müsse sich eindeutig zu seiner moralischen Verantwortung
bekennen. Diese Forderung wurde gleichzeitig an eine Art Erpressung gekoppelt. Nach
Angaben von Elan Steinberg vom WJC müssen alle beteiligten Parteien die Vereinbarungen
noch abschließend billigen, bevor sie umgesetzt werden können. Dies könnte bedeuten,
dass die Vertreter jüdischer Interessen sich bis zu einer offiziellen Entschuldigung
Österreichs gegen das Inkrafttreten der Vereinbarungen sperren. Damit hätte Österreich
auch keine Rechtssicherheit vor weiteren Klagen. Als deutsche Muslime empfinden wir es als
empörend und demütigend, dass sich heute lebende Menschen für etwas entschuldigen
sollen, was sie mehrheitlich nie getan haben, zumal sie damals noch nicht lebten oder kleine
Kinder waren. Gemäß islamischer Vorstellung kann man eine Schuld genauso wenig vererben,
wie eine Auserwähltheit, sondern beides wird nur durch das eigene Handeln und durch die
eigenen Absichten bewirkt. In diesem Zusammenhang empfinden wir es als größten Skandal
der heutigen Zeit, dass gerade der Staat diese Gelder einfordert, in dem es als einziges
verbliebenes System der Welt noch staatliche Apartheid gibt.