Das Ventil
Wenn mein Herz
beladen ist
mit Gedanken an meine Religion
so übervoll und schwer,
wo bekomm ich dann ein Ventil bloß her.
Zu sagen, was ich denk und fühl,
wenn die Wort' nicht wollen
überwinden die Lippen mir,
dann bring ich halt
meine Gedanken zu Papier,
so, wie hier.
Mir geht es keinesfalls um Perfektion,
doch hinaus lassen
was ich denk und fühl,
das möcht' ich schon.
Wenn auch nicht erblüht
mein Gedank' auf dem Papier
zu schönster Pracht,
so hab ich jedoch meinem berstend
wolln'dem Herzen etwas Luft gemacht.
2004 |
DEPRESSION
Vor allem:
nicht gehen ans Telefon.
Trauriges, weinendes Herz,
verzweifelte Seele,
brennender Schmerz.
Schutz suchend
im Raume der Einsamkeit.
Rückgezogenheit
kann auch bringen
Geborgenheit.
Verzweiflung,
verletzender Steit.
Würde genommen,
Anmaßung bekommen.
Verletzende Worte
mit schwerem Gewicht,
handeln aus falscher Sicht.
Empfindsame Seele,
so stark vernarbt,
sie darbt.
Versuch,
Gesundheit zu erhalten,
nicht noch mehr
Krankheit zu entfalten.
Nun auch noch
lauter Streit, dringend
durchs Fenster,
Hochkonjunktur
des Unfriedens Gespenster.
Verzweifeltes rufen
in Sehnsucht
nach Ihn sich verzehrn.
Frieden suchen
beim Herrn.
Demut, Geduld,
des Daseins Kern.
Vertrauend auf
des Schöpfers Huld.
Verzeihung erflehen
für eine jede Seele,
welche in Schuld.
Wissen mehren,
Nähe begehren.
Warten darauf,
daß am Horizont
ein Lichtstrahl erscheint,
und die Seele
nicht mehr weint,
daß wieder wird Licht,
daß nicht mehr nötig,
solch trauriges Gedicht.
2004 |
DER BAUM
Der Baum meines Lebens
ist nun schon mehr
als ein halbes Jahrhundert alt,
und doch brachte er mir erneut
viele zarte Knospen hervor,
welche mir zurufen im Chor:
"Bring uns zum Erblühen
in schönster Pracht!"
Und genau das
habe ich mir jetzt
zur Aufgabe gemacht.
Ob es dem nicht mehr
jungen Baum gelingt,
sie zum erblühen zu bringen?
Nun, genau darum
werde ich ringen.
Ist die Erfüllung dieser Aufgabe
vielleicht noch weit und fern,
so ist jedoch die Nije dazu
allein schon ein Meilenstein
auf dem Wege
entgegen meinem Herrn.
Es gibt noch so vieles zu tun
und ich tat schon
viel zu lange ruhn. 2004 |