MM: Erlauben
Sie, dass wir mit einer persönlichen Frage beginnen. Woher kommt
eigentlich Ihr Spitzname "Cheffe"?
Blecker: Das hängt mit meiner späten Jugend zusammen und da ich
anfangs nur ein "bisschen bloggen" wollte, habe ich meinen damaligen
Spitznamen verwendet. Dass der Blog dann so erfolgreich werden würde,
war mir zu Beginn nicht klar. Später ist es schwierig, einfach mal den
Namen zu wechseln.
MM: Mit Infokrieger News
betreiben Sie eine der bekanntesten alternativen deutschsprachigen
Informationsportale im Wirtschaftsbereich. Warum "Krieger", sind Sie
militant?
Blecker: Den Begriff habe ich an die
Seite Infokrieg.tv angelehnt, da ich deutlich machen wollte, dass wir
uns in einem Informationskrieg befinden. Die Konzernmedien begnügen sich
damit, von einander abzuschreiben, und nur wenige haben überhaupt noch
die Kapazitäten, um wirkliche journalistische Arbeit zu leisten. Heute
würde ich der Zitierfähigkeit wegen einen anderen Namen wählen, da
Infokriegernews zunächst martialisch klingt. Aber wie oben schon
erwähnt, wollte ich am Anfang nur meinen eigenen Gefühlen ein Ventil
geben. Militant bin ich keinesfalls.
MM: Wo bekommen Sie all die
Informationen her?
Blecker: Tägliche und sehr aufwendige
Recherchen, das Lesen von hunderten von Seiten, Primärquellen angehen,
sowie Hinweise durch Leser und Freunde sind eigentlich meine Werkzeuge.
Zum Teil auch über Net-News-Express.de – auf diesem anderen Portal von
mir können auch mir persönlich fremde Menschen Artikel einreichen.
MM: Am häufigsten behandeln Sie derzeit
den Untergang des Kapitalismus; aber was kommt danach?
Blecker: Diese Frage ist mehr als
berechtigt und ich kann sie nicht beantworten. Die Möglichkeiten sind
mannigfaltig, aber ich befürchte, dass es nicht besser sein wird. Die
Verantwortlichen für das kommende Desaster sind weitestgehend im
Verborgenen und werden nicht zur Rechenschaft gezogen, einen Plan für
"danach" werden Sie auch schon gemacht haben, nur wird er wie oben
geschrieben leider nicht besser sein.
MM: Zuweilen bringen Sie aber auch
Meldungen, wie z.B. über Ufos, die zumindest bei einigen Lesern die
Seriosität anzweifeln lassen. Wie reagieren Sie darauf?
Blecker: Wer meinen Blog wirklich liest,
weiß das ich in fast 1500 Beiträgen ca. 4 mal eher verwundert und
fragend Mainstream-Meldungen zitiert habe. Wirkliche Leser zweifeln also
durchaus nicht an meiner Seriosität. Weiterhin sollten diese "Zweifler"
dann lieber an der Konzernpresse zweifeln, denn diese wurde schon sehr
oft, sogar beim Lügen erwischt. Ich erhebe keinen Anspruch auf Wahrheit,
denn die habe ich nicht anzubieten. Bei mir kann der Leser eine weitere
Sichtweise erwarten, diese biete ich an. Wahrheit ist ein oft
missbrauchter und inflationierter Begriff.
MM: Wahrheit ist inflationiert, was
"danach" kommt, wird eher übel; klingt ziemlich pessimistisch. Warum
betreiben Sie dann all diesen Aufwand, wenn Sie an keine Besserung
glauben?
Blecker: Bei dem Begriff der
inflationierten Wahrheit meine ich, dass überall von "der Wahrheit"
gesprochen wird, meiner Meinung nach aber dieses meist Sichtweisen sind.
Die wenigsten Menschen sind bereit zu glauben, dass es zu vielen Themen
mehr als nur eine "Wahrheit" gibt. Ansonsten würde ich mich nicht als
Pessimisten bezeichnen. Meiner Ansicht nach, bin ich ein Realist und ich
versuche so gut wie möglich über die Ergebnisse meiner Recherche zu
informieren, denn nur informierte Menschen können die Zukunft gestalten.
Aufgeben gehört nicht zu meinen Stärken, ebenso wenig allerdings
idealistische Träume. Vielleicht ist ja irgendwann die kritische Masse
erreicht. Die Grundlage vieler Probleme liegen im Bereich der
Geldschöpfung begründet und somit auch in wirtschaftlichen Themen, daher
mein großes Interesse an der Thematik.
MM: Wie werden Ihre Internet-Arbeiten
finanziert?
Blecker: Da ich privat keine
finanziellen Sorgen habe, reichen die Werbeeinnahmen der Seite gut aus,
um alle Nebenkosten der Arbeit zu decken. Den Lebensunterhalt kann man
auf diese Weise - zum Leidwesen vieler guter Autoren - im Augenblick
leider noch nicht verdienen, daher habe ich das Glück meinen
Lebensunterhalt mit meinen Firmen zu verdienen.
MM: Ihre Seiten gehören zu den
"alternativen" Informationsquellen im Internet, die in letzter Zeit sich
allesamt auf zunehmendes Interesse stoßen, während die "Etablierten"
immer mehr Leser verlieren, wie kann man diesen Prozess, der ja eine Art
basisdemokratischer Prozess ist, Ihrer Meinung nach effektivieren?
Blecker: Das ist relativ schwierig, da
durch das immense Angebot viele gute Seiten im Getümmel untergehen. Mein
Projekt
Net-News-Express.de ist dort ein sehr guter
Anfang gewesen, um das Ganze etwas zu zentralisieren und aus hunderten
Anlaufstellen eine zu machen. Mit dem Kongress der unabhängigen Medien
habe ich den Seitenbetreibern und Autoren die Möglichkeit der Vernetzung
geboten, was auch in einigen Fällen gute Früchte getragen hat. Die
"Etablierten" werden wir nicht ersetzen können, allerdings können wir
durchaus eine Ergänzung und weitere Sichtweisen bieten. Ich möchte auch
nicht "gegen" die "Etablierten" arbeiten, sondern "für" freie
Information. Beim Gegenhalten werden wertvolle Kräfte verschwendet und
es bringt keinen Benefit. Immer mehr Menschen wollen einfach nicht
belogen werden und verlangen von den Medien, dass diese Ihren Platz als
vierte Säule der Demokratie wahrnehmen. Ich hoffe, dass die Etablierten
irgendwann wieder zu ihren Grundwerten zurückfinden und dieser Aufgabe
gerecht werden.
MM: Sie haben selbst Kinder, was machen
Sie, wenn einer von Ihren Söhnen angeregt durch Ihre Schriften zum
alternativen Denken eines Tages z.B. zum Islam konvertiert und mit einem
"Kopftuchmädchen" daherkommt, oder anders ausgedrückt: In wie weit kann
man seine Internet-Ideale vor allem im "kleinen Kreis" als Basis
umsetzen?
Blecker: Wir sind sehr offen für die
religiöse Entwicklung unserer Kinder. Auch ich habe sehr viele
Glaubensrichtungen angeschaut und für mich überprüft. Sollten meine
Kinder eine Glaubensrichtung finden, die ihrem Geist entspricht, würden
wir das nicht in Frage stellen. Da meine Kinder offen mit uns über all
diese Themen sprechen können, gehen wir soweit möglich, auf die Fragen
ein und beantworten diese nach bestem Wissen und Gewissen. Meine Frau
ist christlich und würde es natürlich begrüßen, auch die Kinder im
Christentum zu sehen, allerdings würde es dort nie zu einem Zwang
kommen. Was das Kopftuchmädchen angeht, ist es eben so. Wo die Liebe
hinfällt, da haben Eltern nach meiner Ansicht nichts zu bestimmen.
Beratend kann man dort zur Seite stehen, alles andere führt gerade bei
der Liebe nur zur Spaltung, ich denke das kennen wir alle. Die
"Internet"-Ideale würde ich als solche nicht so bezeichnen. Meine Ideale
versuche ich auch im wahren Leben zu vermitteln, allerdings auch nur als
Angebot.
MM: Herr Blecker, wir danken für das
Interview.