MM: Sehr
geehrter Herr Mahlknecht, sie haben sich bereits vor der so genannten
Finanzkrise mit dem Islamischen Finanzsystem auseinandergesetzt. Was war
Ihre Motivation?
Mahlknecht: Mich faszinierte einerseits,
dass hier der Versuch gemacht wird, ein komplettes Finanzsystem auf
Basis einer der größten Weltreligionen zu gestalten. Zum anderen fand
ich es spannend, dass das islamische Finanzwesen sich nicht nur auf
Investitionsverbote beschränkt (z.B. "keine Investments in
Waffenfirmen") wie bei den meisten ethischen Investmentfonds, sondern
dass auch die Struktur der Finanzgeschäfte selbst klaren Regeln
unterworfen wird; etwa dem Verbot von Zinsen und von Geschäften mit
erhöhter Unsicherheit oder mit Glücksspielcharakter. Dies geschieht
zudem unter Verwendung sehr alter Vertragsformen, die zum Teil in die
vorislamische Zeit zurückreichen. Nachdem ich christlich erzogen wurde,
interessierte ich mich auch sehr für die Gemeinsamkeiten, die es
zwischen den drei abrahamitischen Religionen in diesem Themenbereich
gibt. Das Zinsverbot etwa ist ja keine islamische Erfindung, sondern
findet sich bereits im Judentum und Christentum, wie ja auch
Zedaka und Sadaqah miteinander in Verbindung stehen.
MM: Sie erläutern in Ihrem
Buch "Islamic Finance: Einführung in Theorie und Praxis" , dass
im Islam aus ethischen Gründen neben Zinsen auch Leerverkäufe (also
Verkauf von etwas, was man gar nicht besitzt) oder Spekulationen mit
Glückspielcharakter (z.B. einige Finanzderivate), wie Sie es auch
erwähnten, verboten sind. Gibt es
denn im real existierenden Kapitalismus überhaupt keine ethischen
Grenzen?
Mahlknecht: Natürlich gibt es für Banken
auch heute schon umfangreiche ethische Anforderungen. Vertrauen,
Zuverlässigkeit und Reputation sind schließlich unverzichtbar für den
Erfolg von Finanzinstituten. Man muss auch innerhalb des islamischen
Finanzwesens ein wenig vorsichtig mit dem Begriff "ethisch" umgehen. Die
meisten islamischen Institute bieten zwar "schariakonforme"
Finanzinstrumente an, fokussieren aber nicht auf den ethischen Charakter
dieser Instrumente. In der Branche gibt es hier eine Diskussion über
"Form vs. Substanz": reine Konformität mit der Scharia, dem islamischen
Recht, ist nur eine Voraussetzung für die Akzeptanz bei Muslimen.
Zunehmend wird auch die Umsetzung ethischer Werte gefordert, die es im
Islam über das reine Gesetz hinaus natürlich auch gibt. So ist
skurrilerweise der berühmteste Vertreter des Mikrofinanzwesens ein
Muslim, das islamische Mikrofinanzwesen ist aber noch relativ schwach
entwickelt. Auch möchte ich anmerken, dass Finanzderivate bzw.
Hedgingprodukte an sich keine reinen "Glücksspiel-Instrumente" sind. Sie
dienen auch positiven Zwecken wie dem Schutz ("Hedging") von Unternehmen
und privaten Vermögen, etwa vor unerwarteten Wechselkursschwankungen. Im
islamischen Finanzwesen gibt es aktuell den Versuch, international so
genannte "Ta'Hawwut"-Instrumente zu etablieren, d.h. islamkonforme
Hedgingprodukte, die diese positive Absicherungsfunktion ausfüllen, ohne
zu unerwünschten Wetten und Spekulationen missbraucht werden zu können.
Analog dazu gibt es im konventionellen Finanzwesen Diskussionen,
bestimmte Finanzderivate nur jenen zugänglich zu machen, die dieser
Absicherung auch wirklich bedürfen. Zudem gibt es keine Regel ohne
Ausnahme: Der Islam verbietet es zwar an sich, etwas zu verkaufen, was
man nicht besitzt, es gibt aber auch pragmatische Ausnahmen, etwa für
den Fall, dass eine Ware erst noch zu ernten oder herzustellen ist.
MM: Der Islam versteht sich als
"ganzheitliche" Religion, in der die Einzelaspekte nur im Zusammenspiel
mit anderen Aspekten die optimale Wirkung entfalten können. In wie weit
glauben Sie, dass dennoch gewisse Einzelaspekte für die kapitalistische
Wirtschaftsordnung von Interesse sein können?
Mahlknecht: Der Islam ist ja keine
wirtschaftsfeindliche Religion, sondern Handel, Investment und
Unternehmertum werden gefördert und respektiert. Was nicht erlaubt wird,
ist, das Geld als eine Ware zu behandeln, für das eine eigene "Miete"
(eben die Zinsen) gezahlt werden. Das betrifft natürlich das
Kreditgeschäft von Banken, nicht aber die gesamte Wirtschaft. Auch
entfaltet sich eine Religion nicht zwingend dann am blühendsten, wenn
sie ins Zentrum eines politischen Systems gestellt wird. Bezogen auf das
islamische Finanzwesen ist dies ähnlich. So gibt es im Iran eine
Bankengesetz, das islamische, zinsfreie Banken sicherstellen soll.
Gerade einer der Gestalter dieser Gesetzes, der Ökonom Iraj Toutounchian,
bedauert in seinen Schriften jedoch, dass die Umsetzung nicht gemäß den
Möglichkeiten des islamischen Finanzwesens erfolgt ist. Umgekehrt hat
das islamische Recht das britische Rechtssystem zum Teil beeinflusst,
etwa was Trusts angeht oder bestimmte Details der Vertragsrechts. Auch
der Begriff "Scheck" stammt ja aus dem Arabischen, ebenso wie "Aval".
Ethisch gesehen hat vor einiger Zeit der "Osservatore Romano", die
Papstzeitschrift, das islamische Finanzwesen als vorbildlichen Versuch
bezeichnet, in einer Zeit des weltweiten Vertrauensverlustes gegenüber
den Finanzmärkten.
MM: Neben den individuell wirkenden
Aspekten des Wirtschaftssystems stellt im Islam das Geld lediglich ein
normiertes "Tauschmittel" dar, dass dadurch, dass es ein Tauschmittel
ist, stets einen Gegenwart haben muss. Im kapitalistischen System sehen
wir, wie Finanzwerte um die Welt jongliert werden, die sämtliche
verkaufbaren Güter und Dienstleistungen der Welt um ein Vielfaches
übersteigen, gibt es eigentlich aus Ihrer Sicht überhaupt einen Ausweg
aus dieser Situation, ohne dass irgendwelche "Gelder" zusammenbrechen?
Mahlknecht: Das internationale
Finanzsystem hat sich immer wieder neu erfunden und als stabiler
erwiesen, als viele es vorhergesagt haben. Was freilich zunehmend von
vielen Bürgern gefordert wird, ist, dass es keine völlige Abkopplung von
der "Realwirtschaft" geben sollte. Dazu braucht es nicht unbedingt ein
Zinsverbot, aber im islamischen Finanzbereich gibt es in der Tat keine
kommerziellen Finanzprodukte, die von realen Gütern und Transaktionen
losgelöst wären. Man muss allerdings dazu sagen, dass "Islamic Finance"
noch sehr jung ist und vor zahlreichen Herausforderungen steht, die es
zu lösen hat, ehe die gesamte Branche wirklich weltweite Relevanz haben
kann. Eine wirkliche Alternative ist sie, global gesehen, bisher noch
nicht.
MM: Das Zinsverbot steht ja eher im
Zusammenhang der unrealistischen Vermehrung des Geldes mit dem
Paradebeispiel des
Josephpfennig:
Ein Pfennig mit einem festen Zinssatz von 4%,
angelegt zur Zeit Jesu, würde heute 7,57*1031
DM wert sein, ein Wert, welche selbst eine Kugel in der Größe der Erde
aus reinem Gold nicht aufbringen würde und somit aus islamischer Sicht
ein Systemfehler. Ist es vorstellbar, dass durch den Ansatz der Vernunft
und eine strategisch längerfristige Überlegung es möglich ist, dass
Politiker - und die Gesellschaft - von sich aus auf die in den
Religionen verankerte sinnvollen Grundsätze kommen können? Wir denken da
z.B. an die neuerdings in Deutschland verbotenen ungedeckten
Leerverkäufe.
Mahlknecht: Leerverkäufe waren immer
wieder einmal verboten, und auch Zinsverbote bzw. -einschränkungen gab
es historisch nicht nur aus religiösen Gründen. In einigen US-Staaten
gab es etwa bis 1981 Zinsbeschränkungen, was nun für einige
Kapitalismuskritiker überraschend klingen mag, und ebenso im Römischen
Recht und in der Magna Charta.
In der heutigen Gesellschaft besinnt man sich
zwar immer stärker auf ethische Prinzipien, die schwierige Frage ist
jedoch oft, wie als sinnvoll erkannte ethische Leitlinien auch wirksam
in die Wirklichkeit umgesetzt werden können, gerade angesichts der hohen
gesetzlichen und regulatorischen Komplexität der weltweiten
Finanzwirtschaft. Mir fällt da der Fall einer angesehenen
internationalen islamischen Hilfsorganisation ein, die islamkonforme
Mikrofinanzierungen in Bosnien anbieten wollte. Dabei musste sie die
Erfahrung machen, dass eine Form islamischen Mikrofinanzwesens, die auf
Beteiligung statt auf Kredite aufbaut, in dieser Weise nicht zugelassen
war, da das Gesetz auf Kredite ausgelegt war. Das war letztendlich kein
Stolperstein, aber dass solche Hürden überhaupt in einem so stark
muslimisch geprägten Land auftreten, zeigt die Komplexität der
Wirklichkeit auf.
MM: Nun sind islamische Banken, die
zumindest ansatzweise versuchen gewisse islamische Kriterien umzusetzen
noch vergleichsweise jung und selbst in der islamischen Welt noch eine
Minderheit. Welches Potential sehen Sie denn für das islamische
Banksystem in der Westlichen Welt?
Mahlknecht: Ich tue mich mit dem Begriff
des "Westens" immer ein wenig schwer. Es ist ja nicht so, dass
Weltreligionen wie das Christentum und der Islam regional begrenzte
Phänomene wären, ebensowenig wie zentrale Menschenrechte. Vergleicht man
mehrheitlich islamische Länder mit mehrheitlich nicht-islamischen
Ländern (z.B. in Europa), so sollte man meines Erachtens wieder auf die
Größenordnungen achten. Ein Land wie Deutschland hat zwischen 3,5 und
4,3 Mio. Einwohner muslimischen Glaubens - das ist deutlich mehr als die
gesamte Einwohnerzahl Kuwaits beträgt! Der gesellschaftliche Kontext ist
aber natürlich ein ganz anderer, und auch das Selbstbild der Muslime
hier. Ebenso wie "Islamic Finance" (und der Islam überhaupt) z.B. im
Nahen Osten ein anderes Gesicht hat als in Südostasien, könnte sich auch
ein Europa eine regionale Spielart herausbilden.
In islamischen Ländern haben schariakonforme
Finanzinstitute heute z.T. genauso viele Nichtmuslime als Kunden wie
Muslime. In Europa hat meiner persönlichen Einschätzung nach das
islamische Finanzwesen nur eine ernsthafte Chance, wenn es sich offen zeigt gegenüber den hiesigen Gegebenheiten
und zugleich ethische Aspekte stärker thematisiert. Dann kann es genauso
erfolgreich sein wie Halal-Speisen, die sich ja über religiöse Grenzen
hinaus hoher Beliebtheit erfreuen. Viele Muslime wären stolz auf eine
solche Akzeptanz, und nicht ohne Grund erwähnten in einer kürzlich
durchgeführten deutschen Studie sehr viele Muslime, dass das islamische
Finanzwesen auf jeden Fall auch Nichtmuslime ansprechen sollte. Ein
islamisches Finanzwesen, das sich aber absondern, abkoppeln will von der
europäischen Gesellschaft, und das eine reine Kopie arabischer oder
asiatischer Modelle ist, wird meines Erachtens vielleicht eher wenig
Chancen haben und nur einen Bruchteil der Muslime selbst ansprechen. Zugleich darf es keine
islamischen "Graubereiche" oder Umgehungsversuche geben bei den
Anbietern solcher Produkte; es gibt recht unterschiedliche Erwartungen
bei den muslimischen Bürgern in Europa, und diese verdienen es, ernst
genommen zu werden und nicht nur als "Zielgruppe" identifiziert zu
werden. Bei bestehenden Produkten (etwa Fonds) fragen sich Muslime
manchmal: "Was ist daran islamisch?"
MM: Betrachten wir einen konkreten
vereinfacht dargestellten Fall einer Finanzierung, der einige unserer
Leser betreffen könnte. Will hier jemand ein Haus finanzieren, nimmt er
eine Hypothek auf sein Haus auf und zahlt dann z.B. im Laufe der Zeit je
nach Zinslage den doppelten Kaufpreis an die Bank, bis ihm das Haus
gehört. Sollte er vorzeitig nicht mehr zahlen können, wird das Haus
schlimmstenfalls zwangsversteigert, doch das Risiko der Bank ist gering,
da eine ggf. Restschuld auf dem Gläubiger liegen bleibt, außer er geht
in Privatinsolvenz. Bei der islamischen Finanzierung würde die Bank das
Haus kaufen und z.B. zum doppelten Preis an den Kunden in Raten
weiterverkaufen. Dem Käufer gehört stets der Anteil am Haus, den er
bezahlt hat. Kommt es zur ggf. Zwangsversteigerung, trägt die Bank ein
größeres Risiko, da der Ratenkäufer stets einen Anteil am Verkaufserlös
erhalten würde, selbst wenn das Haus einen geringen Erlös erzielt. Warum sollte eine westliche Bank
solch eine höheres Risiko auf sich nehmen?
Mahlknecht: Es gibt mehrere Arten der
Immobilienfinanzierung im islamischen Finanzwesen, da dieses über eine
Vielzahl von Vertragsstrukturen und Finanzinstrumenten verfügt. Generell
ist das größte Hindernis indes nicht die unterschiedliche
Risikosituation; durch die zweifache Eigentumsübertragung des jeweiligen
Haus (zuerst Kauf durch die Bank, dann Verkauf der Bank an den Kunden)
kommt es zu doppelten Steuern bzw. Gebühren. In Großbritannien wurde
dieses Problem bereits behoben, in Deutschland bislang noch nicht, da
einfach noch kein Anbieter solcher Finanzierungen im Markt aufgetreten
ist. Mangels Verfügbarkeit islamkonformer Finanzierungsmöglichkeiten
sehen sich potenzielle Anbieter der Problematik ausgesetzt, dass sie den
Erwerb der Immobilien mittels eigenem Kapital vorfinanzieren müssten -
was natürlich teuer ist und Liquiditätsprobleme mit sich bringen würde.
Für die Banken kann es mehrere Vorteile geben:
Sie können die muslimische Kundschaft gezielter ansprechen und zugleich
innovative Produkte schaffen, die für eine breitere gesellschaftliche
Gruppe von Interesse sind. Islamische Finanzprodukte sind im besten Fall
ja eben keine komplexen, formaljuristischen Umgehungskonstrukte, sondern
transparente, faire und glaubwürdige Produkte. Ein gutes Beispiel bieten
hier islamische Versicherungen ("Takaful"): Sie wetten nicht gegen ihre
Kunden, sondern die Versicherungen sind kooperativ aufgebaut, die
Versicherungsnehmer unterstützen sich im Bedarfsfall gegenseitig, und es
werden keine überhöhten, intransparenten oder unfairen Gebühren
eingehoben. Darüber hinaus werden die Kundengelder nicht in Waffenfirmen
investiert, sondern in glaubwürdige, unzweifelhafte oder auch so
genannte nachhaltige Geschäfte. Aber Sie sehen, ich spreche schon wieder
von Finanzprodukten, die "konform" zum Islam sind und zugleich umfassend
ethisch - ohne diesen integrativ-ethischen Aspekt wird es nicht gehen.
MM: In Deutschland haben wir eine
Sondersituation, die in diesem Maß erstaunlicherweise in z.B. England
(trotzt Irak-Kriegs-Beteiligung) nicht gegeben ist. Unternehmen, die
sich auf Muslime einlassen, sei es im Finanzsektor oder z.B. im
Halal-Sektor haben stets die Befürchtung, dass ihnen alteingestammte
Kunden verloren gehen, weil diese eine "Islamisierung" der Gesellschaft
befürchten. Wie gehen Sie in Ihren Vorträgen vor interessierten
Unternehmern auf diese Problematik ein?
Mahlknecht: Bei Vorträgen habe ich in
der Tat schon sehr islamkritische Stimmen erlebt, allerdings muss man
hier zwischen Islamophobie und sachlicher Kritik klar unterscheiden.
Ebenso habe ich aber auch sehr viel Islamophilie erfahren; zum Beispiel
von Menschen, die selbst keinen muslimischen Hintergrund aufweisen, aber
muslimische Freunde haben, und die es sehr schätzten, einen
differenzierten Blick auf das islamische Finanzwesen zu erhalten. Was
nun Ihren Eindruck betrifft, dass Unternehmen den Verlust von Kunden
befürchten, die mit Halal-Produkten wenig anfangen können, so gibt es
diese Befürchtung sicherlich. Das ist aber wirtschaftlich
nachvollziehbar und nur rational, wenn man die Relationen bedenkt, wie
viele bestehende Kunden man schon hat und wie viele Muslime
möglicherweise (oder auch nicht!) Neukunden werden könnten. Diese
Abwägung gäbe es genauso, wenn jemand in einem stark muslimisch
geprägten Land plötzlich "christliche" Produkte anbieten wollte oder
Nahrungsmittel, die koscher sind.
Es weiß ja auch niemand, wie hoch die Nachfrage
der Muslime nach solchen Leistungen tatsächlich ist. Und Finanzinstitute
sind vielleicht ohnehin besser beraten, wenn sie nicht selbst islamische
Finanzprodukte anbieten wollen, sondern dies etwa über eine eigene
Tochterfirma versuchen. Auch viele Muslime schätzen es, wenn es keine
Vermischung von konventionellen und islamischen Finanzprodukten
innerhalb eines Unternehmens gibt - bei Nahrungsmitteln ist dies nicht
kritisch, aber bei Banken kann es nämlich möglicherweise schwierig sein,
festzustellen, ob wirklich alles islamkonform abläuft. So könnten
Banken, die ein so genanntes "islamisches Fenster" ("Islamic window")
haben, etwa versucht sein, die dort existierenden "islamischen"
Finanzrisiken auf Gesamtbankebene auf sozusagen "unislamische" Weise,
nämlich mit derivativen Produkten, zu hedgen. Aber natürlich,
letztendlich hängt alles von der Glaubwürdigkeit des Unternehmens und
vom ehrlichen Bemühen der handelnden Personen ab. Dabei ist es meiner
Erfahrung nach völlig unerheblich, ob die Anbieter selbst Muslime sind
oder nicht. Gerade als Nichtmuslim erfährt man in diesem Bereich von
Muslimen oft sehr hohen Respekt, wenn erkennbar ist, dass man es ernst
meint.
MM: Deutschland hat weltweit auch den
Ruf, dass viele Unternehmer, die etwas anpacken, es dann auch "richtig"
machen bzw. einen hohen Qualitätsstandard vorzuweisen haben. Können Sie
sich aus Ihrer bisherigen Erfahrung heraus vorstellen, dass eines Tages
ein deutsches Finanzunternehmen nicht nur für die eigenen Millionen
muslimischen Kunden im Inland, und auch nicht nur für einige reiche
Könige und Prinzen, die den Islam noch nicht vollständig vergessen
haben, sondern auch für die "Breite" der Muslime innovative islamische
Finanzprodukte anbieten können?
Mahlknecht: Ich bin überzeugt, dass
deutsche Finanzunternehmen schon sehr bald islamkonforme Finanzprodukte
anbieten werden. Einige aktuelle Initiativen in diesem Bereich sind mir
auch bekannt, so ist derzeit die Gründung einer ethischen
Lebensversicherung konform zu den islamischen Grundsätzen geplant, die
im vorher von mir umschriebenen Sinne integrativ-ethisch sein soll.
MM: In welche Formen des islamischen
Finanzwesens würden Sie investieren, wenn Sie ein
Investitionsmöglichkeit hätten und jenes das von Ihnen bevorzugte
Angebot existieren würde?
Mahlknecht: Das kann man so allgemein
nicht sagen, denn es hängt doch entscheidend vom Einzelfall und von den
Details des jeweiligen Finanzproduktes ab. Das interessanteste
Investment wäre aber wohl eines in diese Initiativen, die ich gerade
angedeutet habe - ob nun in eine islamkonforme ethische Versicherung,
eine schariakonforme Bank oder in den Aufbau von
Hausfinanzierungsprodukten.
MM: Herr Mahlknecht, wir danken für das
Interview.